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Winterwanderung auf die Rotwand: Vom Spitzingsee zum Sonnenuntergang

Autorenbild: Cindy Haase
Cindy Haase
7. Dez. 2017
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Sept.

Anfang Dezember lag der erste Schnee in den Bergen und wir entschieden ziemlich spontan, eine Winterwanderung auf die Rotwand am Spitzingsee zu machen. Allerdings nicht einfach irgendwann am Tag. Unser Ziel war es, pünktlich zum Sonnenuntergang auf dem 1.884 Meter hohen Gipfel zu stehen.


Die Rotwand gehört zu den bekannten Münchner Hausbergen und ist von München aus schnell erreichbar. Im Sommer ist hier entsprechend viel los. Umso mehr überraschte es mich, dass wir den Gipfel an diesem kalten Dezemberabend tatsächlich ganz für uns allein hatten.


Vor uns lag das Bergpanorama, hinter uns der verschneite Aufstieg und langsam färbte sich der Himmel über den Bergen rosa und rot. Bis dahin mussten wir allerdings erst einmal durch Schnee, Nebel und ziemlich unangenehme Kälte nach oben kommen.


Rotwand Aufstieg zum Gipfel

Winterwanderung Rotwand auf einen Blick


Start: Spitzingsee

Gipfel: Rotwand, 1.884 m

Einkehr: Rotwandhaus, 1.737 m

Strecke: ca. 15 km

Höhenmeter: ca. 800 Hm

Gehzeit: ca. 5 Stunden ohne längere Pausen

Schwierigkeit: im Winter abhängig von Schnee, Vereisung und aktuellen Bedingungen

Besonderheit unserer Tour: Sonnenuntergang auf dem Gipfel


Die Angaben zu Strecke und Gehzeit sind Richtwerte für die klassische Tour vom Spitzingsee. Je nach gewählter Route, Schneelage und persönlichen Pausen können sie natürlich variieren.


Rotwand Gipfelbild Winterwanderung

Start der Winterwanderung am Spitzingsee


Die Rotwand liegt in den Bayerischen Voralpen südlich des Spitzingsees und eignet sich durch ihre Nähe zu München wunderbar für eine Tagestour. Vom Spitzingsee führt die klassische Route zunächst in Richtung Rotwandhaus und von dort weiter hinauf zum Gipfel.

Wir starteten erst am Nachmittag. Schließlich wollten wir nicht möglichst früh oben sein, sondern genau zum richtigen Zeitpunkt: zum Sonnenuntergang.


Mit dem Auto erreicht man den Spitzingsee von München je nach Verkehr in ungefähr einer Stunde. Rund um den Spitzingsee gibt es gebührenpflichtige Parkmöglichkeiten.

Auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Tour machbar. Von München geht es mit der Bahn nach Schliersee und von dort mit dem Bus weiter zum Spitzingsee. Da sich Fahrpläne ändern können, würde ich die Verbindung vor der Tour aktuell prüfen. Wer wie wir eine Sonnenuntergangswanderung machen will, sollte die Anfahrt mit dem Auto einplanen.


Aufstieg vom Spitzingsee zum Rotwandhaus


Vom Spitzingsee ging es zunächst auf dem breiten Weg in Richtung Rotwandhaus. Der Weg ist grundsätzlich nicht besonders technisch, aber wir waren schließlich im Winter unterwegs und damit spielen Schnee, Eis und die aktuellen Verhältnisse eine wesentlich größere Rolle als im Sommer. An diesem Tag lag bereits ordentlich Schnee. Und je höher wir kamen, desto winterlicher wurde es.


Rotwand Kälte und Wind

Die Landschaft verwandelte sich zunehmend in eine ziemlich schöne Winterkulisse. Deswegen mag ich solche Touren gerne. Eine Strecke, die im Sommer völlig anders wirkt, bekommt mit Schnee plötzlich einen ganz eigenen Charakter.

Bei unserer Tour zog allerdings auch immer wieder Nebel herein. Von der Aussicht, auf die wir eigentlich gehofft hatten, war zwischenzeitlich nicht besonders viel zu sehen.

Trotzdem ging es weiter Richtung Rotwandhaus.


Einkehr im Rotwandhaus


Das Rotwandhaus liegt auf 1.737 Metern und ist für viele wahrscheinlich schon ein gutes Ziel für eine Winterwanderung. Für uns war es allerdings nur Zwischenstation.

Das Rotwandhaus ist grundsätzlich ganzjährig bewirtschaftet, es kann jedoch Betriebsferien beziehungsweise abweichende Öffnungszeiten geben. Wer eine Einkehr plant, sollte deshalb vorher direkt beim Rotwandhaus nach den aktuellen Öffnungszeiten schauen.

Wir hielten uns nicht besonders lange auf. Der Sonnenuntergang wartete schließlich nicht auf uns und bis zum Gipfel fehlten noch ein paar Höhenmeter. Also weiter.


rotwand rotwandhaus im nebel

Vom Rotwandhaus auf den Rotwand Gipfel


Ab dem Rotwandhaus verändert sich die Tour noch einmal. Die letzten rund 150 Höhenmeter hinauf zur 1.884 Meter hohen Rotwand sind steiler als der bisherige Aufstieg und können im Winter je nach Schneelage deutlich anspruchsvoller sein. Bei uns lag hier teilweise tiefer Schnee. Dazu kam der Wind. Und plötzlich war von der gemütlichen Winterwanderung gar nicht mehr so viel übrig.


Auf den letzten Metern merkte ich, wie kalt es inzwischen geworden war. Im Winter sollte man die Rotwand deshalb nicht allein danach beurteilen, wie unkompliziert der breite Weg zum Rotwandhaus aussieht. Schnee, Vereisung, Wind und die aktuellen Bedingungen können die Tour komplett verändern. Dann standen wir oben. Und waren allein.


Sonnenuntergang auf der Rotwand


Für Stefan war es bereits der dritte Versuch, einen Sonnenuntergang von der Rotwand aus zu erleben. Zweimal hatte das Wetter vorher nicht mitgespielt. Und auch an diesem Tag sah es zwischendurch nicht unbedingt danach aus, als würde sich die Sonne noch einmal zeigen. Doch wir hatten Glück. Der Nebel verzog sich und plötzlich öffnete sich vor uns die Aussicht.


Rotwandhaus winterwanderung

Die Sonne verschwand langsam hinter den umliegenden Gipfeln, der Himmel färbte sich und rundherum lag Schnee. Dazu diese Ruhe, weil außer uns tatsächlich niemand mehr auf dem Gipfel war. Im Sommer dürfte man die Rotwand nur selten so erleben. Wir versuchten natürlich, den Moment möglichst lange auszukosten. Das Problem an einem Sonnenuntergang auf einem Berg im Dezember ist allerdings ziemlich offensichtlich: Sobald die Sonne weg ist, wird es nicht nur dunkel, sondern auch verdammt kalt. Und wir mussten wieder hinunter.


aufstieg rotwandhaus winter zum Rotwand Gipfel

Abstieg im Dunkeln zum Spitzingsee


Nach dem Sonnenuntergang machten wir uns deshalb ziemlich schnell an den Abstieg.

Stirnlampen gehören bei einer geplanten Sonnenuntergangstour im Winter definitiv in den Rucksack. Ebenso warme Kleidung, denn spätestens wenn man oben steht und sich nicht mehr bewegt, merkt man den Temperaturunterschied ziemlich schnell.


Wir liefen einen großen Teil des Abstiegs tatsächlich hinunter. Dadurch waren wir wesentlich schneller wieder am Spitzingsee, als es bei einer normalen Wanderung der Fall gewesen wäre. Unsere damalige Abstiegszeit ist deshalb ausdrücklich keine realistische Gehzeit, an der man seine eigene Tour planen sollte. Was ich allerdings noch genau weiß: Nach dem langen Aufenthalt in der Kälte tat Bewegung ziemlich gut.


Wir hätten richtig Lust gehabt die Abfahrt mit dem Schlitten zu nehmen, das würden wir beim nächsten Mal mit in Erwägung ziehen. Deshalb gleich den eigenen Schlitten mitnehmen, wenn du einen hast.


Rotwand Sicht auf den Sonnenuntergang

Wie schwierig ist die Rotwand im Winter?


Bei unserer Tour empfand ich den Aufstieg bis zum Rotwandhaus technisch als unkompliziert. Die letzten Höhenmeter zum Gipfel waren durch Schnee, Kälte und Wind deutlich anspruchsvoller. Eine pauschale Aussage wie „Die Rotwand ist im Winter einfach“ würde ich heute deshalb nicht treffen.


Wie schwierig die Winterwanderung auf die Rotwand tatsächlich ist, hängt stark von den aktuellen Bedingungen ab. Schnee und Vereisung können aus einem einfachen Wanderweg schnell eine deutlich anspruchsvollere Tour machen. Je nach Verhältnissen können Grödel sinnvoll sein. Vor einer Wintertour gehören für mich deshalb Wetter, Schneelage und gegebenenfalls die aktuelle Lawinensituation zum Check dazu.


aussicht rotwand winter und sonnenuntergang

Was gehört bei einer Winterwanderung auf die Rotwand in den Rucksack?


Bei einer Tour zum Sonnenuntergang würde ich genügend warme Kleidung einpacken. Während des Aufstiegs war mir noch warm, oben am Gipfel sah das ziemlich schnell anders aus. Sobald wir standen und auf den Sonnenuntergang warteten, wurde es richtig kalt.


Dazu gehören für mich ausreichend Essen und Trinken und vor allem eine gute Zeitplanung. Denn wer erst zum Sonnenuntergang oben sein möchte, muss damit rechnen, einen großen Teil des Abstiegs im Dunkeln zurückzulegen. Welche zusätzliche Winterausrüstung sinnvoll ist, hängt von den aktuellen Verhältnissen ab. Deshalb würde ich vor der Tour immer Wetter, Schneelage und Bedingungen am Berg prüfen.


Verschneiter Wanderweg beim Abstieg von der Rotwand

Noch eine Einkehr am Spitzingsee


Nach unserer Tour wollten wir vor der Heimfahrt natürlich noch irgendwo ins Warme.

Denn egal wie schön so ein Sonnenuntergang auf dem Gipfel ist: Nach mehreren Stunden draußen im Schnee fühlt sich eine warme Stube plötzlich mindestens genauso gut an.

Rund um den Spitzingsee gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Einkehr. Da sich Öffnungszeiten und Gastronomie über die Jahre ändern können, würde ich vor der Tour kurz prüfen, was aktuell geöffnet hat. Zum Zeitpunkt als wir unten am Spitzingsee wieder ankamen, waren leider die meisten Cafés geschlossen bzw. wollten schließen. Wir waren deshalb im Cafe Kameter und konnten glücklicherweise die letzten zwei Gläser Glühwein bekommen zum Aufwärmen.


Mein Fazit zur Winterwanderung auf die Rotwand


Die Winterwanderung auf die Rotwand vom Spitzingsee ist mir bis heute besonders in Erinnerung geblieben. Technisch war die Tour nicht besonders schwierig. Was sie für mich besonders gemacht hat, war diese Mischung aus Schnee, Nebel, Kälte und der Hoffnung, dass sich die Wolken doch noch rechtzeitig verziehen.


Und dann standen wir tatsächlich allein auf 1.884 Metern und schauten zu, wie die Sonne hinter den Bergen verschwand. Solche Touren zeigen mir immer wieder, dass es sich lohnt, bekannte Münchner Hausberge auch einmal zu einer ungewöhnlicheren Tageszeit oder Jahreszeit zu erleben.


Die Rotwand kannte ich vorher vor allem als beliebten Wanderberg. Seit diesem Tag verbinde ich mit ihr vor allem eines: einen ziemlich kalten, aber verdammt schönen Sonnenuntergang.


winterwanderung rotwand spitzingsee

Ähnlicher Artikel: Sonnenuntergang und -aufgang inklusive Tipps zum Biwakieren.


Fotocredit: PEAK ART IMAGES


Rotwand Farbenspiel Sonnenuntergang

15 Kommentare


Gast
13. Feb. 2025

Originalkommentar von Liebe was ist: 31. Oktober 2018 um 21:52 Uhr

allein für so einen Sonnenuntergang lohnt sich diese Wanderung ja schon – ich liebe solche rosaroten Himmel 🙂aber auch sonst hätte ich echt mal Lust auf so eine Tour – schön gut eingepackt durch den Schnee stapfen!


liebste Grüße auch,

❤ Tina von liebewasist.com

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Gast
13. Feb. 2025

Originalkommentar von Daniel: 24. Mai 2018 um 12:13 Uhr

Hi Cindy,


auf der Rotwand waren wir auch bereits zwei mal oben, allerdings immer im Sommer oder Herbst. Krasse Bilder, echt cool. Ich habe gar nicht gewußt, das die auch im Winter offen haben. Das werden wir wohl mal ausprobieren.


Viele Grüße, Daniel

Bearbeitet
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Cindy.haase
24. Feb. 2025
Antwort an

Originalkommentar: 24. Mai 2018 um 17:33 Uhr

Hallo Daniel, freut mich das dir mein Beitrag gefällt. Die Rotwand im Winter ist ein Traum und unbedingt ausprobieren. Ich komme gern wieder mit. LG, Cindy

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Gast
13. Feb. 2025

Originalkommentar von Steffi: 23. Dezember 2017 um 23:39 Uhr

Ein wirklich wunderbarer Ausblick, dafür lohnt sich das Hochkämpfen 🙂


Lg


Steffi

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Gast
13. Feb. 2025

Originalkommentar von Elena: 12. Dezember 2017 um 15:18 Uhr

woooow mega schön _ Ich liebe die Aussicht von den Bergen.Ich wohne in den Bergen, aber gehe leider sehr selten in die Höhe.


Schöne Grüße

Elena

https://elenasarah.com

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Gast
13. Feb. 2025

Originalkommentar von CHRISTINA KEY: 12. Dezember 2017 um 8:37 Uhr

W-O-W!!! Was für krasse Fotos! Da war sicherlich ein Meister am Werk, das sieht man einfach sofort! Richtig toll!!! 🙂


Bei so einer Landschaft macht es sicherlich gleich noch 100 mal mehr Bock laufen zu gehen, vor allem wenn man oben angekommen dann mit so einer Aussicht belohnt wird! 🙂


XX,


http://www.ChristinaKey.com

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Cindy.haase
24. Feb. 2025
Antwort an

Originalkommentar: 12. Dezember 2017 um 15:14 Uhr

Hallo Christina, ja mein Kumpel ist professioneller Fotograf, daher auch die mega tollen Bilder. Aber auch die Bilder fangen manchmal nicht die wahre SChönheit ein, es ist definitiv lohnenswert immer wieder in die Berge zu gehen. Viele Grüße, Cindy

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