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Mein Berliner Halbmarathon: Vom "Mal schauen" zur Sub 1:30

  • Autorenbild: Cindy Haase
    Cindy Haase
  • 17. Juni
  • 5 Min. Lesezeit

I am here to try. Mit genau diesem Gefühl stand ich Ende März (2026) an der Startlinie des Berliner Halbmarathons. Ohne große Erwartungen, ohne perfekte Vorbereitung und ehrlich gesagt auch ohne zu wissen, was an diesem Tag überhaupt möglich sein würde. 


Die ersten Monate des Jahres verliefen komplett anders als geplant. Nachdem ich Ende 2025 durch eine betriebsbedingte Kündigung meinen Job verloren hatte und bis März freigestellt war, verbrachte ich viel Zeit auf Reisen.

Strukturierte Halbmarathon-Vorbereitung? Eigentlich nicht vorhanden. Natürlich bin ich weiter gelaufen. Aber nicht mit dem Fokus auf Bestzeiten, spezifischen Tempoeinheiten oder einem klaren Ziel für Berlin.


Berliner Halbmarathon 2026 Berlin Mitte

Mit einer neuen persönlichen Bestzeit hatte ich an diesem Wochenende definitiv nicht gerechnet. Ich wollte einfach alles geben, mein Limit finden und schauen, was an diesem Tag möglich sein würde. Dass daraus am Ende einer der verrücktesten Lauftage meines Lebens werden würde, hätte ich nie gedacht. 1:28:55 Stunden.

Eine Zeit, die ich frühestens irgendwann im Herbst für möglich gehalten hatte.


Wie ich für eine Halbmarathonzeit unter 1:40 Stunden trainiert habe und welche Lauftipps mir dabei geholfen haben, habe ich bereits ausführlich in einem separaten Blogbeitrag zusammengefasst. Vielleicht helfen dir meine Erfahrungen und Trainingsansätze dabei, deine eigenen Laufziele zu erzielen. 


Warum ich den Berliner Halbmarathon überhaupt gelaufen bin


Eigentlich verbinde ich Berlin eher mit dem Marathon im September. Bereits fünfmal konnte ich beim Berlin Marathon an der Startlinie stehen und jedes Mal ist die Stimmung in der Stadt etwas ganz Besonderes. Der Halbmarathon hingegen stand lange nicht wirklich auf meiner Wunschliste. Doch nachdem der Berliner Halbmarathon Teil der SuperHalfs geworden ist, musste die Anmeldung meinerseits erfolgen, um die Serie irgendwann zu komplettieren. Die Startplätze werden inzwischen nur noch über ein Lotterieverfahren vergeben und das Rennen gehört mit rund 40.000 Läuferinnen und Läufern längst zu den größten Europas. 


Anreise und Expo in Berlin


Die Anreise nach Berlin erfolgte bereits am Freitag ganz entspannt per Flugzeug von München aus. Übernachtet haben wir im ARCOTEL Velvet mitten in Berlin-Mitte. Für ein Laufwochenende aus meiner Sicht eine wirklich gute Wahl. Das Viertel rund um die Oranienburger Straße verbindet Berliner Altbaucharme, viele kleine Cafés und Restaurants mit einer zentralen Lage, durch die man vieles unkompliziert zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht.


Berlin Mitte rund um die Oranienburger Straße verbindet Berliner Altbaucharme, viele kleine Cafés und Restaurants mit einer zentralen Lage

Besonders angenehm war für das Rennwochenende auch die Nähe zum Startbereich rund um die Straße des 17. Juni, wodurch der Weg am Wettkampfmorgen angenehm stressfrei blieb.


ARCOTEL Velvet mitten in Berlin-Mitte

Ein fester Bestandteil des Berliner Halbmarathon-Wochenendes ist inzwischen auch die Startnummernabholung auf der EXPO im ehemaligen Flughafen Tempelhof. Die riesigen historischen Hangars sorgen vor dem Rennen für eine besondere Atmosphäre. Zwischen internationalen Läuferinnen und Läufern, großen Running-Marken und den neuesten Laufschuhen kommt die typische Vorfreude auf den Renntag schnell auf. 


Startnummernabholung auf der EXPO im ehemaligen Flughafen Tempelhof.

Die Strecke: Schnell, flach und perfekt für Bestzeiten


Der Berliner Halbmarathon gilt nicht ohne Grund als eine der schnellsten Halbmarathon-Strecken in Europa. Der Kurs ist flach, schnell und führt vorbei an vielen bekannten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt. 


Berliner Halbmarathon Strecke führt an vielen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt vorbei

Der Start befindet sich in der Straße des 17. Juni, von dort geht es unter anderem vorbei an der Siegessäule, dem Potsdamer Platz, dem Berliner Dom und über breite Straßen durch die Hauptstadt, bevor der emotionale Zieleinlauf durchs Brandenburger Tor wartet. Normalerweise versuche ich, Rennen bewusst wahrzunehmen und die Stimmung entlang der Strecke aufzusaugen. Doch dieses Mal war vieles wie im Tunnelmodus. Ich war so fokussiert auf meinen Rhythmus, meine Atmung und meine Pace, dass Berlin einfach an mir vorbeizog. 


Und wahrscheinlich war das an diesem Tag auch gut so.


Start Berliner Halbmarathon befindet sich in der Straße des 17. Juni.

Der Renntag: Einfach loslaufen und schauen, was geht


Das Wetter hätte kaum besser sein können. Trocken, auf der ersten Hälfte ziemlich kühl und nahezu perfekte Bedingungen für einen schnellen Halbmarathon. Ich startete das Rennen kontrolliert, ohne zu überpacen. Mein Ziel war es, von Beginn an eine möglichst konstante Pace zu laufen und erst einmal in den Rhythmus zu finden. Marcel war ebenfalls am Start, allerdings im Startblock hinter mir, sodass wir getrennt liefen. 


Start mit Marcel und der Renntag: Einfach loslaufen und schauen, was geht

Schon auf den ersten Kilometern fühlte sich das Tempo überraschend stabil an. Trotzdem versuchte ich bewusst, nicht zu früh zu rechnen oder mich von irgendwelchen Zielzeiten verrückt machen zu lassen. Nach fünf Kilometern lag ich bei 21:12 Minuten. Schnell, aber noch kontrolliert. Bei Kilometer 10 kam plötzlich dieser Moment, in dem mir klar wurde, dass heute vielleicht doch etwas Besonderes passieren könnte. Die Uhr zeigte etwas über 41 Minuten. Damit hatte ich meine bisherige 10-Kilometer-Bestzeit von 42:08 Minuten mitten im Halbmarathon bereits unterboten. 


Die letzten Kilometer


Natürlich wurden die letzten Kilometer zäh. Halbmarathon bleibt Halbmarathon und ab Kilometer 16 beginnt meistens der Abschnitt, in dem es nicht mehr locker läuft, sondern mental wird. Meine Pace blieb allerdings konstant. 


Die Splits:

5 km: 21:12 min

10 km: 42:09 min (meine Uhr erreichte etwas früher den 10 km Split, daher 41:XX min)

15 km: 1:03:12

Ziel: 1:28:55 


Meine Splits beim Berliner Halbmarathon

Ich hatte keine großen Einbrüche, keinen Kampf gegen die Uhr, sondern ein unglaublich gleichmäßiges Rennen vom Start bis ins Ziel. Besonders emotional wurde es noch einmal bei Kilometer 19, als ich Anne an der Strecke sah. Wir klatschten ab und dieser kurze Moment gab mir einen zusätzlichen Push für die letzten zwei Kilometer.  


Als ich durch das Brandenburger Tor ins Ziel lief und die Uhr gesehen hatte, konnte ich es kaum glauben: 1:28:55 Stunden. Sub 1:30 und damit eine Zeit, die ich eigentlich eher als großes Ziel für irgendwann später in diesem Jahr gesehen hatte. Vielleicht war gerade diese Mischung aus wenig Erwartungsdruck, Erfahrung und Vertrauen in den eigenen Körper der entscheidende Faktor. Ich hatte keinen perfekten Trainingsblock, keinen komplett durchgeplanten Aufbau und keine Garantie, dass an diesem Tag überhaupt eine starke Zeit möglich sein würde. 


Rückblickend glaube ich, dass ich selten so frei gelaufen bin wie an diesem Tag in Berlin.


Berliner Halbmarathon Ziel das Brandenburger Tor

Berliner Halbmarathon meine Tipps


Der Berliner Halbmarathon ist brutal schnell, das macht ihn aber auch tückisch. Die Stimmung, die Strecke und die vielen ambitionierten Läufer können einen schnell dazu verleiten, Fehler zu machen, die später richtig Kraft kosten. Wenn ich noch einmal mit dem klaren Ziel einer neuen Bestzeit starten würde, würde ich rückblickend ein paar Dinge beachten. 


1. Nicht vom Starttempo mitreißen lassen

Die ersten Kilometer in Berlin fühlen sich fast zu leicht an. Breite Straßen, tausende Zuschauer und überall schnelle Läufer. Plötzlich läuft man schneller als geplant, ohne es direkt zu merken. Wer am Anfang zu viel investiert, bezahlt oft ab Kilometer 15 dafür.


Tipps für den Berliner Halbmarathon: Nicht vom Starttempo mitreißen lassen

2. Die schweren Kilometer kommen überraschend spät

Das Gefährliche an Berlin ist, dass sich das Rennen lange kontrolliert anfühlt. Die Strecke ist flach, die Stimmung trägt einen und man hat schnell das Gefühl: Heute geht alles. Bei mir kam der mentale Kampf deshalb relativ plötzlich. Die letzten Kilometer wurden zäh und ich musste mich richtig konzentrieren, um Tempo und Fokus zu halten. 


3. Schnell bedeutet nicht automatisch entspannt

Berlin gilt völlig zurecht als perfekte Strecke für Bestzeiten. Trotzdem starten hier rund 40.000 Menschen. Auf den ersten Kilometern kann es deshalb eng werden. Ein realistischer Startblock macht enorm viel aus, nicht zu weit vorne, aber eben auch nicht zu weit hinten. 


4. Die Energie der Stadt bewusst mitnehmen

Was den Berliner Halbmarathon besonders macht, ist diese Mischung aus Großstadt, Zuschauern und der internationalen Running-Community. Entlang der Strecke passiert ständig etwas. Das kann in schwierigen Momenten unglaublich helfen. Mein persönlicher Push kam bei Kilometer 19, als ich Anne kurz abgeklatscht hatte. 


5. Keine Experimente am Renntag

Ich selbst bin das Rennen mit drei Gels von Dextro Energy und meinem CRAFT Kype Pro Carbonschuh gelaufen, nichts Neues, nicht Experimentelles. Vor allem bei schnellen Halbmarathons machen kleine Fehler bei Ernährung oder Material oft viel aus. 

 

Mein Fazit zum Berliner Halbmarathon 2026


Der Halbmarathon in Berlin war für mich viel mehr als nur eine neue persönliche Bestzeit. Es hat mir gezeigt, dass nicht immer alles perfekt geplant sein muss. Dass der Körper manchmal mehr leisten kann, als der Kopf vorher glaubt. Und dass man manchmal einfach an die Startlinie gehen sollte, ohne genau zu wissen, was möglich ist. 

"I am here to try."

Darum ging es an diesem Tag. Ohne perfekte Vorbereitung. Ohne Garantie. Ohne Erwartungen an eine bestimmte Zeit. Und am Ende wurde es einer der verrücktesten Lauftage meines Lebens. 


Berliner Halbmarathon 2026, einer der verrücktesten Lauftage meines Lebens.

1 Kommentar


evovexufix02
vor 4 Tagen

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