165 km Wüstenlauf: Meine Erfahrung beim Oman Desert Marathon
- Cindy Haase

- vor 16 Minuten
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Ich bin Cindy und ich bin den Oman Desert Marathon gelaufen. Das ist meine Geschichte.
Eigentlich wusste ich lange im Voraus, dass ich diesen Wüstenlauf im Januar 2026 absolvieren würde. Doch wie so oft kam das Leben dazwischen, ebenso wie andere Wettkämpfe, die mir wichtig waren und meinen Fokus beanspruchten. Ein gezieltes, spezifisches Wüstentraining fand daher kaum statt. Alles Organisatorische, Hintergründe zum Rennen und die wissenswerten Fakten habe ich bereits im vorherigen Blogbeitrag zusammengefasst: Der Oman Desert Marathon

In diesem Text möchte ich mich bewusst gar nicht so sehr in Details zu Strecke und Regeln etc. verlieren, sondern vielmehr meine persönlichen Erfahrungen teilen.
Vorweg: Es waren intensive, fordernde und prägende Wochen rund um den Oman Desert Marathon, einen 165 Kilometer langen Etappenlauf durch die Wüste Omans, verteilt auf fünf Tage. Besonders war für mich der Selbstversorger-Aspekt und ein Terrain, das für mich komplett neu war. Übernachtet haben wir in Camps in Mehrpersonenzelten (wurden täglich von Helfern aufgebaut). Vom Veranstalter gestellt wurde Wasser (alle zehn Kilometer unterwegs, im Camp unbegrenzt, teils warm), alles andere trugen wir selbst.
Vorbereitung, Anreise und erste Eindrücke
Rund 40 Läuferinnen und Läufer aus verschiedenen Ländern standen am Start: Hobbyläufer, ambitionierte Athleten und Profis. Die Strecken wurden vorab als GPX-Dateien zur Verfügung gestellt und zusätzlich etwa alle 500 Meter mit Fahnen markiert.
Ich reiste eine Woche früher in den Oman (Direktflug ab München mit Omanair), um mich an Klima und Temperaturen zu gewöhnen, zur Ruhe zu kommen und etwas vom Land zu sehen. Der Roadtrip tat gut. Ich besuchte unter anderem Wadi Nakhr, Jebel Shams (Balcony Walk), Jabrin Castle, Misfat Al Abriyeen, Nizwa und Wadi Shab. Schöne Orte, die mir in Erinnerung bleiben werden.

Am Tag vor Abfahrt in die Wüste übernachtete ich in Muscat. Dort traf auch Simone ein, eine Freundin, die ebenfalls für den Oman Desert Marathon gemeldet war. Von diesem Moment an waren wir zu zweit unterwegs und stellten uns der Herausforderung des Wüstenabenteuers gemeinsam.
Zusammenkunft am Flughafen in Muscat
Der Treffpunkt für alle Teilnehmenden war vom Veranstalter vorgegeben. Vom Flughafen in Muscat ging es per Bus in ein Hotel (Bidiyah Green Homes) nahe Al Wasil (ca. zwei Stunden Fahrt). Dort packten wir unsere Rucksäcke, erhielten letzte Briefings, ließen Pflichtausrüstung und medizinische Atteste prüfen, bekamen unsere Startnummern und aßen ein letztes Abendessen in der Zivilisation. Meine Startnummer war 2027. Am nächsten Morgen ging es an den Start nach Al Wasil. Ab diesem Moment begann die Selbstversorgerphase. Beim Check-in wog mein Rucksack übrigens 7,6 Kilogramm, ohne Wasser. Die Nacht zuvor war okay, meine Nervosität dafür umso größer.
Beim Thema Rucksackgewicht hatte ich bewusst auf Leichtigkeit gesetzt, zumindest in der Theorie. Die Pflichtausrüstung war umfangreich: Gamaschen, Anti-Giftpumpe gegen Skorpionbisse, Signalspiegel, Schlafsystem, Messer, Antiseptikum, Schmerz- und Salztabletten, Pfeife sowie ein Erste-Hilfe-Set. Dazu kamen persönliche Hygieneartikel und rund 2.000 Kalorien Verpflegung pro Tag in Form von Trek'n Eat, Dextro Energy soiwe weiteren verschiedenen Riegeln und Nüssen. Kleidungstechnisch hielt ich es reduziert: zwei Shirts, ein Merino-Longsleeve, zwei Shorts, eine lange Hose, eine Windjacke, Unterwäsche und vier Paar Socken. Als fragwürdigen Luxus hatte ich ein Paar leichte weiße Hotellatschen dabei, keine gute Idee. Sand überall, ständig nasse Dixie-Klos und am Ende kein wirklicher Mehrwert. Das winzige Handtuch, in Waschlappengröße, war zwar leicht, aber wenig ausreichend.
Der Wüstenlauf beginnt
Der Oman Desert Marathon startete am 10. Januar 2026 leicht verspätet. Sehr früh wurde mir klar: Das werden harte Tage. Ein echtes Zeitlimit gibt es nicht, mein Tempo pendelte sich bei etwa fünf Kilometern pro Stunde ein. Laufen war selten, eher ein konsequentes Speedhiking. Der Startbereich war wuselig, da parallel kürzere Distanzen stattfanden. Viele liefen schnell los, ich mittendrin. Der Rucksack fühlte sich rasch zu schwer an, Schultern schmerzten, mein Laufstil war unrund. Technisch ist der ODM (kurz für Oman Desert Marathon) kein extrem anspruchsvoller Lauf, doch der Sand ist weich, tief und kräftezehrend. Dazu kamen Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad, grundsätzlich machbar, in der Sonne jedoch fordernd.

Etappe 1 - Ankommen in der Wüste
Die erste Etappe führte über 41 Kilometer mit 570 Höhenmetern. Ich brauchte endlose 8:18 Stunden. Die ersten Dünen machten schnell klar, wer hier die Regeln vorgibt: Nämlich die Wüste. Im Camp angekommen, warteten Duschen, Dixie-Toiletten, warmes Wasser und überraschend stabiles Internet. Dennoch hielt sich mein Bedürfnis nach Außenwelt in Grenzen. Essen, erholen, schlafen, mehr stand eigentlich nicht auf dem Plan. Simone war etwas schneller als ich und wir waren uns einig: Diese erste Etappe war schwer. Zum ersten Mal kamen Zweifel auf, ob ich die gesamten 165 Kilometer schaffen könnte.

Die weiteren Etappen: Tag für Tag durch die Wüste
Nach der ersten Etappe war klar: Der Oman Desert Marathon ist kein klassischer Lauf, sondern ein tägliches Aushandeln mit sich selbst. Die Tage begannen zunehmend zu verschwimmen und genau das wurde Teil der Erfahrung. Der Weg führte meist abseits fester Spuren. Büsche mussten umgangen werden, der Untergrund wechselte ständig. Mal versank der Fuß im Sand, mal bremste ein kleiner Hügel jeden Rhythmus. Die Hoffnung auf besseren Untergrund begleitete mich täglich, doch am Ende führte jeder Versuch immer wieder zurück in den weichen, anstrengenden Sand.

Etappe 2 - Akzeptanz
Die zweite Etappe stand für mich ganz im Zeichen der Akzeptanz. Ich hatte einen Rhythmus gefunden, langsam, stetig, mehr gehend als laufend. Die ersten zehn Kilometer war ich gemeinsam mit Simone unterwegs. Sie ist stärker als ich, umso schöner war es, diesen Abschnitt bewusst gemeinsam zu erleben. Mein Körper hatte sich zunehmend arrangiert, der Kopf musste allerdings immer wieder nachziehen. Die Wüste blieb fordernd. Am Ende standen 29,4 km in 6:20 Stunden mit 450 Höhenmetern.

Etappe 3 - Monotonie und Gedanken
Etappe drei war mental die monotonste. Endlose Dünen, endlose Kilometer, Gedanken kamen und gingen, manchmal war der Kopf leer, manchmal sehr laut. Ich funktionierte irgendwie, Schritt für Schritt von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt. Tempo und Stolz spielten hier längst keine Rolle mehr. Es ging nur noch darum weiterzukommen und am Ende des Tages anzukommen. In dieser Monotonie begann ich über vieles nachzudenken. Über die viel zitierte Gastfreundschaft der Omanis zum Beispiel, die hier nicht aufgesetzt, sondern ehrlich und unaufdringlich wirkt. Über Sicherheit, über Gemeinschaft, über eine Gesellschaft, die offenbar anders funktioniert. Es gibt keine Kriminalität und ich frage mich, was machen die Omanis besser? Die Wüste lässt Raum für solche Gedanken, gerade wenn die Strecke kein Ende nimmt.
Nach 30 Kilometern, 7:03 Stunden mit rund 500 Höhenmetern war diese Etappe geschafft. Kein spektakulärer Tag auf dem Papier, aber ein wichtiger auf dem Weg ins Ziel.

Etappe 4 - Die Königsetappe
Die vierte Etappe war die längste und wurde zur echten mentalen Prüfung. Der Start erfolgte erst am Mittag, in der größten Hitze, und die Etappe zog sich bis tief in die Nacht hinein. Müdigkeit, schwere Beine und das Wissen, dass nach einer kurzen Nacht noch ein weiterer Tag folgen würde, machten diesen Abschnitt besonders hart. Gleichzeitig wuchs aber auch das Vertrauen: Ich war immer noch da. Auch diese Etappe brachte ich zu Ende, nach über 10:09 Stunden, 45 Kilometern und 590 Höhenmetern. Der Tag war lang, die Nacht kurz, die Erholung minimal. Trotzdem stand ich am nächsten Morgen wieder auf. Nicht aus Euphorie, sondern weil Aufgeben keine Option mehr war.

Etappe 5 - Ankommen
Die letzte Etappe fühlte sich leichter an, obwohl das ständige Auf und Ab der Dünen körperlich fordernd blieb. Das Ende rückte näher, die Zweifel traten in den Hintergrund. Es war kein emotionaler Zieleinlauf, sondern ein stilles Ankommen, zufrieden, erschöpft und sehr dankbar. Für die letzten 21,8 Kilometer benötigte ich 4:55 Stunden.
Ergebnis:
Gesamtzeit: 36:48:12 Stunden für 165 Kilometer
Platzierung: 18. Gesamt / 7. Frau.

Erfahrungen mit dem Equipment - ein ehrlicher Rückblick
Der Rucksack
Ich lief mit dem Ultimate Direction Fast Pack (30 Liter). Mit rund 700 Gramm ist er sehr leicht und bietet viele Taschen, was Ordnung im Rucksack erleichtert. Allerdings war ich mit dem Tragekomfort nicht glücklich. Die Schulterriemen drückten stark, der Rucksack wirkte für mich recht steif. Ich hatte ihn ungetestet gekauft, ein Fehler. Meine klare Empfehlung, unbedingt vorher ausprobieren. Es gibt auch eine Frauenversion, die für mich vermutlich besser gepasst hätte.

Die Gamaschen
Ich nutze Gamaschen von Raidlight, die kurzfristig bei Gangart in Bonn an meine Schuhe genäht wurden. Der Service von Gangart ist empfehlenswert und war last minute vor Weihnachten eine große Erleichterung. Das Annähen hat 45,- EUR gekostet. Ohne Gamaschen sollte man beim Oman Desert Marathon nicht starten, aufgeriebene Füße wären vorprogrammiert. Ich hatte kaum bis keinen Sand in den Schuhen. Trotz allem zog ich mir zwei schmerzhafte Blasen zu. Die medizinische Versorgung vor Ort war jedoch hervorragend, mit Ärzten, Physios und täglichen Massagemöglichkeiten.

Meine Wüsten-Verpflegung
Ich hatte Trek'n Eat Gerichte für Frühstück und Abendessen dabei. Die Mahlzeiten wogen zwischen 150 - 260 Gramm ohne Verpackung, waren gut verträglich, ausreichend kalorienreich und einfach zuzubereiten. Geschmacklich überzeugten mich alle Gerichte bis auf die Protein Bowl zum Frühstück, einige benötigten etwas Nachsalzen.

Ergänzt wurde das Ganze durch Produkte von Dextro Energy sowie verschiedene Riegel, Gels und Nüsse. Ein echter Gamechanger war das neue Fast Hydration Getränkepulver von Dextro, da ich damit meine Flüssigkeitsaufnahme deutlich verbessern konnte. Insgesamt kam ich auf rund 2.000 Kalorien pro Tag. Dies war zwar minimal geplant, aber für mich ausreichend, da ich während des gesamten Rennens keinen spürbaren Energieverlust hatte.

Das Schlafsystem
Mein Schlafsystem bestand aus dem Therm-a-Rest Hyperion 32 UL Bag (Daunenschlafsack) und der Therm-a-Rest NeoAir XLite NXT Isomatte. Beides war für mich die perfekte Wahl. Wir schliefen in verschließbaren Zelten für 8-10 Personen mit Teppichboden, der zwar etwas isolierte, aber sehr uneben war. Die Isomatte sorgte für Komfort und Erholung. Der Schlafsack, ausgelegt bis 0 Grad, war mehr als ausreichend, kalt war mir nie. Das gesamte Schlafsystem wog knapp über 800 Gramm.

Merinobekleidung für das Abenteuer Wüstenlauf
Bei der Kleidung habe ich bewusst auf Merino gesetzt. Das Lightwool 140 Sports T-Shirt von Aclima ist leicht, sehr atmungsaktiv und besteht aus 100% Merinowolle, speziell entwickelt für sportliche Aktivitäten bei warmen Temperaturen. Durch die Kombination aus LightWool-Gewebe und strategisch platziertem Wollnetz unter den Armen und am Rücken trocknet das Shirt schnell, belüftet gut und transportiert Schweiß zuverlässig ab. Ich konnte es über mehrere Tage tragen, ohne dass sich Gerüche gebildet haben. Die Passform bietet Bewegungsfreiheit, allerdings gab es durch den Rucksack an einigen Stellen leichte Scheuerstellen. Insgesamt hat sich das Shirt für mich dennoch als eine gute Wahl für den Wüstenlauf erwiesen.

Ergänzt wurde das Setup durch das NXTMERINO Damen Longsleeve von Picea Earth, das mich vor allem abends bei sinkenden Temperaturen warm gehalten hat. Der Hersteller garantiert eine Merino-Qualität mit Anti-Laufmaschen- und Anti-Pilling-Eigenschaften, was sich positiv auf Langlebigkeit und Atmungsaktivität auswirkt. Das Longsleeve trägt sich sehr angenehm, ohne Kratzgefühl, ist schlicht im Design und extrem leicht. Auch hier hatte ich das Gefühl, das richtige Produkt dabei zu haben.
Ich hatte mich das erste Mal überhaupt für Merinowäsche entschieden und war im Nachhinein mehr als begeistert.
Mein Fazit - Was von der Wüste bleibt
Mit der Zeit lernt man, die unterschiedlichen Sandarten zu lesen, von gut laufbar bis extrem schwierig. Doch diese wechseln alle paar Meter, was ein konstantes Tempo nahezu unmöglich macht. Die Wüste gibt keinen Rhythmus vor, sie nimmt ihn einem. Ich weiß bis heute nicht genau, warum Wüstenläufe so faszinieren. Für mich war der Oman eine tägliche Achterbahn, vor allem mental. Das Camp-Leben habe ich sehr genossen, ebenso den Austausch mit Teilnehmer/innen aus unterschiedlichsten Ländern. Mit den Einheimischen hingegen blieb der Kontakt begrenzt, die Sprachbarrieren waren einfach groß. Es blieb bei kleinen Gesten und ein paar freundlichen Momenten.

Ich war oft an meinem persönlichen Limit und bin im Rückblick sehr stolz, diese 165 Kilometer durchgezogen zu haben. Die Distanzen sind endlos, die Stille manchmal fast laut. Gleichzeitig habe ich es genossen, einmal nichts zu müssen: keine Arbeit, keine Verpflichtungen, außer morgens an den Start zu gehen und irgendwann am Nachmittag oder Abend im Camp anzukommen. Dazwischen lagen Erlebnisse, Weite und sehr viel Zeit mit mir selbst. Ich bin dankbar, dieses Abenteuer erlebt zu haben, weiß aber auch: Für mich wird es keine Wiederholung geben. Es war intensiv, fordernd und in seiner Form einzigartig.
Während meiner Zeit im Oman habe ich kaum etwas vom Weltgeschehen mitbekommen und das war gut so. Wir schliefen unter einem glasklaren Sternenhimmel, weit weg von allem, friedlich und nahezu politikfrei. In der Wüste schien die Welt in Ordnung zu sein.
Die größte Herausforderung waren für mich eindeutig die mentalen Grenzen. Bereits nach der ersten Etappe kamen Zweifel auf, ob ich die gesamten 165 Kilometer schaffen würde. Abgesehen von zwei größeren Blasen hatte ich keine ernsthaften Schmerzen oder Verletzungen, objektiv also keinen Grund aufzuhören. Auch gab niemand auf und so kämpfte ich mich Schritt für Schritt weiter. Mir half es, von Tag zu Tag zu denken. Als vier Etappen geschafft waren, kehrte auch die mentale Ruhe zurück. Die fünfte Etappe fühlte sich wieder leichter an, obwohl das ständige Auf und Ab der Dünen körperlich alles andere als einfach war.

Der Oman Desert Marathon ist aus meiner Sicht gut machbar, aber mental fordernd. Es waren krasse Tage, die nachwirkten. Und genau das macht dieses Rennen aus.






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