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Drei Halbmarathons in 22 Tagen: Was mein Puls über lockere Läufe zeigt

Autorenbild: Cindy Haase
Cindy Haase
vor 4 Minuten
5 Min. Lesezeit

Drei Halbmarathons in 22 Tagen: Ústí nad Labem, Cardiff und München. Als ich die Zeiten später nebeneinandergelegt habe, musste ich selbst kurz hinschauen: 1:45:51, 1:40:49 und 1:36:16. 9 Minuten und 35 Sekunden schneller in gut drei Wochen, daraus lässt sich schnell eine schöne Geschichte über einen plötzlichen Formschub machen. Ich hätte sie selbst gern erzählt. Nur würde sie zu viel ausblenden: drei unterschiedliche Strecken, zwei Paar normale Laufschuhe und ein Paar Carbonschuhe, verschiedene Erwartungen und drei sehr verschiedene Tage.


Interessant wurde es für mich deshalb an einer anderen Stelle. Nicht bei der Frage, warum München schneller war, sondern beim Blick auf die Wochen davor: Meine lockeren Läufe waren tatsächlich meistens locker. Und das lässt sich auch ohne kompliziertes Dashboard prüfen.


Was du aus diesem Beitrag mitnehmen kannst: Ich zeige nicht, welcher Puls für dich richtig ist. Ich zeige, wie du deine eigenen Läufe über mehrere Wochen einordnest und warum eine schnellere Wettkampfzeit allein noch keine ganze Trainingsgeschichte erzählt.


Nach dem Zieleinlauf beim Halbmarathon München, den ich in 1:36:16 gelaufen bin.

Drei Rennen, drei unterschiedliche Ausgangslagen


Auf dem Papier stehen drei Halbmarathons und drei Zeiten. In Wirklichkeit hatte jedes Rennen seine eigene Geschichte: In Ústí nad Labem ging ich ohne feste Vorgabe an den Start, Cardiff lief sich bei gutem Wetter deutlich besser, und in München wollte ich unbedingt unter 1:40 bleiben. Dazu kamen unterschiedliche Strecken und Schuhe.

Die Zeiten lassen sich deshalb nebeneinanderstellen, aber nicht eins zu eins vergleichen:

Rennen

Datum

Zeit

Bedingungen

Ústí nad Labem

19. September

1:45:51

Kurvige Strecke, normale Laufschuhe, kein festes Zeitziel

Cardiff

4. Oktober

1:40:49

Leicht wellig, normale Laufschuhe, gutes Laufgefühl

München

11. Oktober

1:36:16

Flache Strecke, Carbonschuhe,

Ziel: unter 1:40


Ústí nad Labem: ohne große Erwartungen

In Ústí hatte ich nicht das Gefühl, besonders fit zu sein. Die Strecke hatte viele Kurven, ich lief ohne festes Zeitziel und wollte im Rennen einfach das Beste aus dem Tag machen. Unter 1:45 blieb ich knapp nicht, über die 1:45:51 habe ich mich trotzdem gefreut.


Cardiff: besseres Gefühl, bessere Zeit

Cardiff fühlte sich deutlich besser an. Das Wetter passte, die Strecke war zwar nicht ganz flach, aber ich konnte durchziehen. Der Durchschnittspuls lag bei 169. Die Uhr stoppte nach 1:40:49.


München: klares Ziel, schneller Start

München war anders. Ich wollte unter 1:40 bleiben, lief in Carbonschuhen und hatte eine flache Strecke vor mir. Der erste Kilometer war mit 4:24 zu schnell, der zweite mit 4:19 noch schneller. Die Uhr zeigte dabei kurz 185 Schläge pro Minute. Ob dieser einzelne Wert exakt war, ist weniger wichtig als die Konsequenz: Ich musste Tempo herausnehmen. Danach blieb mein Puls überwiegend zwischen 172 und 177.

Am Ende standen 1:36:16 auf der Uhr. Meine GPS-Aufzeichnung zeigte 21,3 Kilometer und einen Schnitt von 4:31 Minuten pro Kilometer. Zwischen meinem schnellsten Kilometer und dem langsamsten lagen nur 25 Sekunden. Das Rennen war hart, aber kontrollierter als der Start vermuten lässt.


Was die schnellere Zeit wirklich bedeutet


Die Verbesserung von Ústí bis München ist keine reine Formkurve. In München kamen eine flache Strecke, Carbonschuhe und ein klares Ziel zusammen. In Ústí und Cardiff fehlte jeweils mindestens einer dieser Faktoren. Wie viel Zeit auf Training, Schuhe, Strecke oder Rennstrategie entfällt, kann ich nicht seriös aufteilen.


Ein Blick weiter zurück macht das noch deutlicher: Im März bin ich in Berlin bereits 1:28:55 gelaufen. München war für mich deshalb keine neue Bestzeit und auch kein Beweis dafür, dass ich innerhalb von 22 Tagen neun Minuten schneller geworden bin. Es fühlte sich eher an wie ein Schritt zurück in eine Form, die schon einmal da gewesen war.


Die wichtigste Erkenntnis: Eine Rennzeit ist nur dann ein guter Vergleichswert, wenn du weißt, unter welchen Bedingungen sie entstanden ist. Eine flache Strecke, andere Schuhe oder ein klares Ziel können ein Rennen schneller machen, auch wenn die Form nicht plötzlich viel besser geworden ist.

Deshalb vergleiche ich München nicht einfach mit Ústí oder Cardiff. Erst wenn Strecke, Schuhe und Rennstrategie ähnlich sind, sagt der Vergleich wirklich etwas über meine Form aus.


Die Carbonschuhe, die ich beim Halbmarathon München getragen habe.

Lockerer Dauerlauf und Puls: Meine 12-Wochen-Auswertung


Für diese Frage habe ich zwölf Wochen Strava-Daten angeschaut. Ich habe nur Läufe einbezogen, die locker waren, keine Wettkämpfe, keine Intervalle und keine spontanen Tempoläufe.


Das Ergebnis: Von 26 lockeren Läufen lagen 25 unter 154 Schlägen pro Minute, also unter der Grenze zu meiner dritten Pulszone. Der Median lag bei 142 Schlägen pro Minute und einer Pace von 5:57 Minuten pro Kilometer.

Meine persönlichen Zonengrenzen liegen bei 145, 154, 162 und 171 Schlägen pro Minute. Sie beruhen auf einer geschätzten Schwellenfrequenz von rund 171, abgeleitet aus einem harten Halbmarathon. Das sind keine Werte, die du übernehmen solltest. Sie helfen nur mir, meine Einheiten einzuordnen.


Auffällig war auch, wo die harten Minuten herkamen: 303 von 361 Minuten oberhalb meiner vierten Zone entstanden in Wettkämpfen. Nicht in angeblich lockeren Trainingsläufen.


Auswertung von 26 lockeren Läufen über zwölf Wochen: 25 Läufe lagen unter meiner persönlichen dritten Pulszone

Meine Pace bei einem Puls zwischen 137 und 142 wurde über die Wochen etwas schneller: von 6:02 auf 5:58 Minuten pro Kilometer. Das sind vier Sekunden. Ein kleiner Hinweis, kein Beweis. Temperatur, Wind, Strecke, Müdigkeit und GPS können diesen Unterschied genauso erklären.


So prüfst du, ob deine lockeren Läufe locker sind


Du brauchst dafür keinen perfekten Trainingsplan und keine besonders teure Uhr.


1. Lege deine Zonen nicht nur nach einer Altersformel fest. Ein harter Wettkampf oder ein Feldtest gibt meist mehr her als „220 minus Alter“.

2. Schau auf die letzten acht bis zwölf Wochen. Filtere nur die Läufe heraus, die wirklich locker waren.

3. Vergleiche ihren Durchschnittspuls mit deiner eigenen Grenze. Wenn regelmäßig viele dieser Läufe darüber liegen, lohnt sich ein genauer Blick auf Tempo, Strecke und Tagesform.

4. Prüfe zusätzlich dein Körpergefühl. Kannst du noch in ganzen Sätzen sprechen? Bleibt die Atmung kontrolliert? Fühlst du dich nach dem Lauf eher bewegt als erschöpft? Dann spricht viel dafür, dass das Tempo passt.

5. Bewerte keine einzelne Einheit über. Ein hoher Puls bei Hitze, Stress, Schlafmangel oder auf einer hügeligen Strecke ist kein Trainingsfehler. Erst Muster über mehrere Wochen sind interessant.


Der Puls hilft vor allem dabei, einen lockeren Lauf auch wirklich locker zu lassen. Wenn ich dazu neige, unterwegs doch noch etwas schneller zu werden, zeigt er mir: Das Tempo reicht für heute. Trotzdem ist die Zahl auf der Uhr nicht wichtiger als das Körpergefühl.


Meine Laufschuhe während des Cardiff Halbmarathons, wellige Strecke.

Die Woche vor München war keine Vorlage


Die Woche vor München hat mich mehr verunsichert als beruhigt. Ich habe kaum trainiert, zwischendurch gehustet und bis kurz vor dem Start nicht gewusst, ob ich überhaupt an der Startlinie stehen würde. Am Renntag war der Husten weg, ich fühlte mich gesund und entschied mich zu laufen.


Dass dann ausgerechnet dieses Rennen so gut lief, macht die Geschichte für mich nicht zur Trainingsweisheit. Die Pause hat mir offenbar nicht geschadet, ob sie geholfen hat, kann ich nicht sagen. Und sie ist ganz sicher keine Empfehlung, mit Beschwerden zu starten oder einen Infekt wegzudiskutieren.


Beim Halbmarathon in Usti nad Labem, Runczech den ich in 1:45:50 gelaufen bin

Was ich aus den zwölf Wochen mitnehme


Drei Halbmarathons in kurzer Zeit haben mir nicht gezeigt, wie man garantiert schneller wird. Sie haben mir eher gezeigt, wie schnell Zahlen eine Geschichte erzählen, die viel glatter klingt, als sie war. Meine lockeren Läufe waren überwiegend locker. Meine harten Minuten kamen vor allem aus den Rennen. Und die schnellste Zeit entstand unter den besten Bedingungen der drei Läufe. Mehr will ich aus diesen Daten nicht herauslesen.


Nicht jede Einheit muss optimiert werden. Pulszonen, Prognosen und Dashboards sind Werkzeuge. Sie helfen, sollten aber nicht bestimmen, ob sich Laufen gut anfühlt.


Während des Halbmarathons München auf der Strecke unterwegs

Häufige Fragen


Wie schnell darf ein lockerer Dauerlauf bei welchem Puls sein?

Es gibt keine Pace, die für alle passt. Ein typischer lockerer Lauf lag bei mir bei 5:57 Minuten pro Kilometer und einem Puls von 142 Schlägen pro Minute. Deine passende Pace hängt unter anderem von Fitness, Strecke, Temperatur und deiner individuellen Herzfrequenz ab.


Woran erkenne ich ohne Pulsuhr, dass ich locker laufe?

Ein lockerer Lauf sollte sich kontrolliert anfühlen. Du kannst noch in ganzen Sätzen sprechen, deine Atmung bleibt ruhig und du hast nicht das Gefühl, dich durchbeißen zu müssen. Wenn du am Ende denkst, ein paar Kilometer wären noch gegangen, war das Tempo wahrscheinlich passend.


Kann man drei Halbmarathons in drei Wochen laufen?

Ich habe es getan, aber daraus lässt sich keine allgemeine Empfehlung machen. Trainingserfahrung, Erholung, Gesundheitszustand und Rennintensität entscheiden darüber, ob so eine Belastung sinnvoll ist.


Medaillenbild nach dem Cardiff Halbmarathon, Superhalfs

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