Ein Vorgeschmack auf den TransAlpineRun

Aktualisiert: 24. Sept.
Auf was für ein Abenteuer habe ich mich da eigentlich eingelassen? Seit diesem Wochenende habe ich zumindest eine etwas konkretere Vorstellung davon, was beim TransAlpineRun auf mich zukommen wird. Und wenn ich ehrlich bin: Beruhigter bin ich danach nicht unbedingt.
Bislang war der TransAlpineRun für mich vor allem ein großes Ziel. Sieben Etappen über die Alpen, rund 250 Kilometer und 15.000 Höhenmeter. Nach diesem Wochenende weiß ich ein bisschen besser, was diese Zahlen in der Realität bedeuten.
Und plötzlich fühlt sich der September ziemlich nah an.
Mein Vorhaben der Transalpinerun
Der GORE-TEX TransAlpineRun 2016 findet vom 4. bis 10. September statt und führt auf einer komplett neuen Strecke in sieben Etappen von Garmisch-Partenkirchen über die Alpen nach Brixen.
Auf uns warten insgesamt rund 250 Kilometer und 15.000 Höhenmeter. Drei Länder, zwei Läufer, eine Woche.
Eigentlich ein Traum.
Ich starte gemeinsam mit meinem Lauffreund Geo im Team VikingsFootwear. Das vielleicht Entscheidende an der Sache: Ich bin Trailrunning Neuling.
Plan B und GORE-TEX hatten vor dem Rennen zu vier Trailscout Wochenenden eingeladen, bei denen einzelne Etappen der neuen TransAlpineRun Route erkundet werden konnten. Ich entschied mich für das zweite Wochenende und damit für die dritte und vierte Etappe.
Ich wollte wissen, was mich im September wirklich erwartet.
Jetzt weiß ich es.
Zumindest ein bisschen.
TransAlpineRun Trailscout: Freitagabend in Imst
Am Freitagabend machte ich mich auf den Weg nach Imst. Dort traf ich einige bekannte Gesichter, einige neue und Michael vom zweiten VikingsFootwear Team.
Noch war alles entspannt.
Am nächsten Morgen sollte sich das ziemlich schnell ändern.

Etappe 3: Von Imst ins Pitztal
Die dritte Etappe führt von Imst nach Mandarfen im Pitztal. Mit knapp 48 Kilometern und rund 3.000 Höhenmetern ist sie die längste Etappe der Strecke.
Um 8:30 Uhr ging es los. Und eigentlich ging es sofort zügig in Richtung Berge und Trails.
Wir waren mit bestem Equipment und zwei Guides unterwegs. Trotzdem merkte ich bereits nach zwei oder drei Kilometern, dass das Tempo für mich zu hoch war. Mir ging die Luft aus, mein Puls war am Anschlag und ich musste drosseln.
Die Gruppe zog davon.
Das war ziemlich demotivierend.
Ich machte mich bemerkbar und fragte Jörn, einen unserer Guides, ob er bei mir bleiben könnte. Mit meiner eher bescheidenen Orientierung hätte ich den Weg alleine vermutlich nicht gefunden und ganz wohl war mir bei dem Gedanken ebenfalls nicht. Das Teilnehmerfeld zog sich immer weiter auseinander. Da waren die unglaublich Schnellen.
Die Schnellen. Und ich.
Spektakuläre Trails und ziemlich viele Höhenmeter
Die Trails selbst waren sensationell. Spektakuläre Aussichten, wunderschöne Wege und ein ständiges Auf und Ab. Die Anstiege kosteten mich enorm viel Kraft. Gleichzeitig machte mich jeder Höhenmeter, den ich geschafft hatte, ein bisschen stolz.
Entlang des Pitztaler Almenwegs ließ sich irgendwann langsam das Ende erahnen. Dann setzte allerdings Regen ein und aus schönem Trailrunning wurde zunehmend eine ziemlich ungemütliche Angelegenheit. Aufgrund von Erdrutschen konnten die letzten rund 400 Höhenmeter nicht mehr absolviert werden und wir mussten einige Kilometer früher in den Abstieg gehen. Unten im Tal hätten anschließend noch rund zehn Kilometer Fahrradweg bis zu unserem Hotel auf uns gewartet. Wir hatten allerdings Glück: Heinrich Albrecht von Veranstalter Plan B sammelte uns ein.
Die warme Dusche rückte damit deutlich schneller in greifbare Nähe. Mein Abendprogramm war anschließend überschaubar: essen und früh ins Bett. Das spannende EM Spiel Deutschland gegen Italien inklusive 18 Elfmetern habe ich dadurch komplett verpasst.
Aber ehrlicherweise hätte ich an diesem Abend vermutlich sowieso nicht mehr besonders lange durchgehalten.
Etappe 4: Von Mandarfen nach Sölden
Am nächsten Morgen wartete die vierte Etappe auf uns: von Mandarfen im Pitztal nach Sölden. Etwa 27 Kilometer und 2.000 Höhenmeter. Es war die Gletscheretappe und der höchste Punkt lag auf knapp 3.000 Metern. Meine Motivation hielt sich an diesem Morgen allerdings in Grenzen.
Das Wetter war grau, regnerisch und kalt. Meine Beine waren schwer vom Vortag und die Aussicht auf weitere nasse Kilometer löste bei mir nicht gerade Begeisterung aus. Als Henrik von Runningtwins meinte, dass er nicht starten wolle, überlegte ich deshalb kurz, es ebenfalls bleiben zu lassen. Dann meldete sich allerdings diese kleine Stimme im Kopf: Im September kannst du auch nicht einfach aufhören, nur weil du gerade keine Lust mehr hast.
Also stand ich natürlich pünktlich am Treffpunkt. Henrik übrigens auch. Die Gruppe war im Vergleich zum Vortag trotzdem deutlich kleiner geworden. Ich war gespannt, wie sich genau solche Situationen während des eigentlichen TransAlpineRuns anfühlen würden.
Rifflsee, Braunschweiger Hütte und Schnee
Direkt nach dem Start ging es stetig bergauf in Richtung Rifflsee. Der See lag zunächst noch im dichten Nebel, doch kurz darauf wurde das Wetter tatsächlich besser.
Einige Kilometer führten über wunderschöne Trails bergab. Und dann kam er. Der lange, harte Anstieg zur Braunschweiger Hütte.
Über Schneefelder und Gestein und teilweise bei schlechter Sicht arbeitete ich mich langsam nach oben. Sehr langsam. Die Gruppe war längst davongezogen. Meine persönlichen Erfolgserlebnisse beschränkten sich irgendwann darauf, Wanderer zu überholen. Aber immerhin.
Bevor es schließlich hinunter nach Sölden ging, wartete noch eine Rutschpartie über den Schnee auf uns. Ich überstand sie mit nassem Hintern und ziemlich viel Geschrei.
Vermutlich war das sogar mein schnellster Abschnitt des Tages. Trotzdem wurde der Abstand zur Gruppe immer größer. Irgendwann war für mich klar, dass ich aussteigen musste. Ich wollte nicht, dass alle anderen wegen mir warten mussten, bevor sie die Heimfahrt antreten konnten.
Das Gefühl, nicht mithalten zu können, war trotzdem deprimierend.
Und es nagte an mir.
Mein Fazit nach dem TransAlpineRun Trailscout
Dieses Wochenende hat mir ziemlich deutlich gezeigt, wie hart der Transalpinerun für mich werden wird. Im Moment weiß ich nicht, ob ich ihn finishen werde. Oder ob ich ihn überhaupt finishen kann.
Ich habe nach diesem Wochenende sogar noch mehr Angst davor als vorher. Ein Optimist würde wahrscheinlich sagen: mehr Respekt. Vielleicht stimmt das sogar. Der Vergleich mit den schnellen Läufern an diesem Wochenende hat mich trotzdem ziemlich entmutigt. Genau davon muss ich versuchen wegzukommen. Es bringt mir nichts, mich ständig daran zu messen, wie schnell andere den Berg hochlaufen oder wie weit sie mir voraus sind.
Ich muss herausfinden, was meine Möglichkeiten sind.
Vielleicht wird der Transalpinerun am Ende tatsächlich eine Art Überlebenskampf. Vielleicht entscheidet irgendwann weniger das Tempo als der Wille darüber, ob ich am nächsten Morgen wieder an der Startlinie stehe. Eine Grenzerfahrung wird es ziemlich sicher.
Und ich bin mindestens genauso gespannt darauf, wie Geo und ich als Team funktionieren werden. Denn am Ende müssen wir diese sieben Etappen gemeinsam bewältigen.
Noch habe ich ein paar Wochen Zeit.
Ob das reicht?
Fortsetzung folgt.
Wie es mir beim eigentlichen TransAlpineRun ergangen ist und ob meine Sorgen nach diesem Wochenende berechtigt waren, kannst du in meinem Erfahrungsbericht zum TransAlpineRun nachlesen.

Offizielle Videozusammenschnitte created by Valentin Rapp https://www.youtube.com/watch?v=ymNfcpxCNq0 https://www.youtube.com/watch?v=yJqfFsuqJIM






Originalkommentar von Daniel: 8. Juli 2016 um 0:08 Uhr
GIng mit mit meinem Partner vor 3 Jahren auch so. Haben es mit ach und Krach gescHaft zu finishen. Daher … plant die strecken. Habt ein Auge aufs cutoff und bei Gott … fangt langsam an!Letztes jahr konnte ich von meinen Erfahrungen profitieren und im Mittelfeld laufen. Aber der erste tar war ne gradwanderung. Daher muss alles auf den Prüfstand und auch eure organisation vor wie nach dem Rennen muss stimmen. Wer langsam ist hat wenig zeit zur Regeneration. Plant eure Massage im voraus. Wisst wo es essen gibt und findet jemand der euer Lager im Camp evtl schon mit aufbaut. Ihr werdet für jede Pause die man euch gibt dankbar sein.
Originalkommentar von Andreas Wagner: 7. Juli 2016 um 17:34 Uhr
Toller Bericht.
Wenn Du Höhenmeter trainieren willst melde dich.
Originalkommentar von Henrik: 7. Juli 2016 um 13:58 Uhr
Schöner und ehrlicher Bericht, Cindy. Ja, es wird eine ganz harte Nummer. Umso wichtiger, dass du gesehen hast, worauf du dich einlassen wirst. Das ist ein Riesenvorteil! In der Wettkampfatmosphäre wirst du zu wesentlich mehr in der Lage sein als am vergangenen Wochenende. Angst ist kein guter Ratgeber, zumindest vor diesen beiden Etappen brauchst du die nun nicht mehr zu haben. Und vor den anderen schon gar nicht. Du kennst ja mein Motto, wer in Sölden ankommt, wird auch in Brixen ankommen. Und ich will euch da ins Ziel laufen sehen!