Biwakieren in den Bergen: Meine Erfahrungen und Tipps für eine Nacht unter freiem Himmel

Aktualisiert: vor 2 Tagen
Werbung: Dieses Projekt ist in Zusammenarbeit mit Eddie Bauer entstanden.
Eine Nacht auf dem Berg, ein Schlafsack unter freiem Himmel und morgens direkt mit Aussicht auf die Berge aufwachen. So hatte ich mir mein erstes Mal Biwakieren in den Bergen vorgestellt.
Das Ganze sollte für mich ein kleines Mikroabenteuer werden, das sich sogar unter der Woche in meinen normalen Arbeitsalltag integrieren lässt. Abends raus aus München, auf den Berg, dort übernachten und am nächsten Morgen rechtzeitig zurück zur Arbeit.
Klingt unkompliziert. Ganz so unkompliziert wurde es dann allerdings nicht. Unser erster Versuch endete mitten in der Nacht wegen eines heranziehenden Gewitters. Beim zweiten Versuch klappte die Übernachtung, dafür stellte ich ziemlich schnell fest, dass mein Schlafsack für die Temperaturen auf dem Berg viel zu dünn war.
Trotzdem ist mir diese Nacht bis heute in Erinnerung geblieben. Und ich habe dabei einiges darüber gelernt, worauf ich beim nächsten Biwak deutlich mehr achten würde.
Werbung: Dieses Projekt ist in Zusammenarbeit mit Eddie Bauer entstanden. Unter dem Motto #LiveYourAdventure rief Eddie Bauer Outdoorfans dazu auf, ihre eigenen Abenteuer in der Natur zu suchen und zu erleben.
Die Idee hat mich damals sofort angesprochen. Für ein Abenteuer muss man schließlich nicht immer weit reisen oder viel Geld ausgeben. Manchmal reicht es schon, den normalen Alltag für eine Nacht gegen einen Schlafplatz unter freiem Himmel einzutauschen.
Zeit ist schließlich oft das Argument, warum solche kleinen Abenteuer immer wieder verschoben werden. Ich wollte ausprobieren, ob es auch anders geht und ob sich eine Nacht auf dem Berg einfach in meinen ganz normalen Arbeitsalltag integrieren lässt.
Manchmal muss man einfach machen.

Mein erstes Biwak in den Bergen
Natur bedeutet für mich schon immer eine Auszeit vom Alltag. Draußen kann ich abschalten, muss nicht ständig über dieses oder jenes nachdenken und genieße den Moment. Auf einem Berg übernachtet hatte ich bis dahin allerdings noch nie, Hüttenübernachtungen ausgenommen.
Die Vorstellung stand schon länger auf meiner To-do-Liste: Schlafsack ausrollen, draußen einschlafen, nachts in die Sterne schauen und am nächsten Morgen mitten in den Bergen aufwachen. Also wurde aus der Idee irgendwann ein konkreter Plan. Dabei wollte ich daraus ganz bewusst kein riesiges Wochenendprojekt machen. Mich reizte viel mehr die Vorstellung, dieses Mikroabenteuer einfach in eine normale Arbeitswoche zu packen. Abends los. Eine Nacht draußen. Morgens zurück. Arbeiten.

Was bedeutet Biwakieren (Wildcampen)?
Beim Biwakieren übernachtet man im Freien, üblicherweise ohne Zelt. Als Schutz können beispielsweise ein Biwaksack oder ein Tarp zum Einsatz kommen. Wichtig ist allerdings die Unterscheidung zwischen einem geplanten Biwak und einem Notbiwak.
Ein Notbiwak entsteht ungeplant, beispielsweise wenn eine Verletzung, ein Wetterumschwung, die Dunkelheit oder eine andere Notsituation den sicheren Abstieg unmöglich macht. Wer dagegen schon zu Hause beschließt, die Nacht draußen zu verbringen, plant ein Biwak. Und genau hier muss man sich vorab mit der jeweiligen Rechtslage beschäftigen.
Darf man in Deutschland draußen übernachten?
Diese Frage würde ich heute deutlich vorsichtiger beantworten als noch bei meinem ersten Biwak. Die Regelungen unterscheiden sich je nach Land und teilweise auch regional. Für Bayern gilt: Das allgemeine Betretungsrecht der freien Natur bedeutet nicht automatisch, dass man dort auch übernachten darf. Für ein geplantes Biwak ist grundsätzlich die Zustimmung des Grundstücksberechtigten notwendig.
In verschiedenen Schutzgebieten gelten zusätzliche Einschränkungen beziehungsweise Verbote. Dazu gehören unter anderem Naturschutzgebiete und Nationalparks.
Ein ungeplantes Notbiwak ist davon zu unterscheiden. Deshalb würde ich heute immer zuerst prüfen, wem das Grundstück gehört, welche Schutzbestimmungen vor Ort gelten und ob eine Zustimmung notwendig beziehungsweise überhaupt möglich ist.
Auch für Österreich oder andere Alpenregionen sollte man die aktuellen Regelungen des jeweiligen Landes beziehungsweise der Region prüfen.
Unser erster Versuch: nachts kam das Gewitter
Eine meiner wichtigsten Erfahrungen habe ich direkt beim ersten Versuch gemacht.
Wir wollten bereits im Juli draußen übernachten. Allerdings war für die Nacht eine Gewitterwahrscheinlichkeit angekündigt. Wir wussten davon und probierten es trotzdem.
Das war keine besonders gute Entscheidung.
Mitten in der Nacht mussten wir unser Biwak abbrechen, weil das Gewitter direkt in unsere Richtung zog. Seitdem gehört für mich der Wetterbericht zu den wichtigsten Punkten bei der Planung. Eine Nacht unter freiem Himmel und ein Gewitter passen einfach nicht zusammen.
Ideal ist eine möglichst trockene, windarme und milde Nacht mit stabiler Wetterlage. In den Bergen kann sich das Wetter schnell verändern. Eine aktuelle Wetterprognose kurz vor dem Start gehört deshalb unbedingt dazu.

Ein Mikroabenteuer nach der Arbeit
Mir war wichtig, die Übernachtung unter der Woche in meinen normalen Arbeitsalltag zu integrieren. Entsprechend musste der Zeitplan stimmen. Zu spät kommt schließlich niemand gern in die Arbeit.
Deshalb haben wir einen von München aus einigermaßen schnell erreichbaren Berg gewählt. Für den Aufstieg brauchten wir ungefähr 1,5 Stunden, für den Abstieg rund eine Stunde.
Juni und Juli bieten durch die langen Tage natürlich einen Vorteil. Je weiter es Richtung Spätsommer geht, desto später wird es morgens hell und desto weniger Tageslicht hat man für den frühen Abstieg.
Unser zweiter Versuch fand bereits im August statt. Und da kam direkt die nächste Lektion.
10 Grad und der falsche Schlafsack
Tagsüber kann es im Sommer angenehm warm sein. Nachts sieht die Sache auf einem Berg schnell anders aus. Bei unserem zweiten Versuch hatten wir nachts ungefähr 10 Grad.
Mein Schlafsack hatte eine angegebene Komforttemperatur von +13,5 Grad. Ihr erkennt das Problem vermutlich schon. Ich hatte die Temperaturen schlicht unterschätzt und meinen Schlafsack viel zu optimistisch ausgewählt. Stefan war zum Glück mit einem deutlich wärmeren Schlafsack und zusätzlich einer Biwakhülle ausgestattet. Also tauschten wir die Schlafsäcke. Mein Erfrierungstod war damit vorerst abgewendet.
Heute würde ich bei der Auswahl deutlich genauer auf die zu erwartende Nachttemperatur und den Temperaturbereich des Schlafsacks schauen. Dazu kommen warme Kleidung, mehrere Schichten, Mütze und Handschuhe. Und etwas, das ich für so eine Nacht jederzeit wieder mitnehmen würde: eine Thermoskanne mit heißem Tee. Wenn man nachts draußen sitzt, es langsam kalt wird und über einem der Sternenhimmel zu sehen ist, kann heißer Tee ziemlich großartig sein.

Meine Packliste für eine Nacht unter freiem Himmel
Ein Rucksack für eine Nacht draußen wird schnell deutlich schwerer als bei einer normalen Tagestour. Bei meinem ersten Biwak waren für mich vor allem folgende Dinge wichtig:
Isomatte
geeigneter Schlafsack
gegebenenfalls Biwaksack
warme Jacke
mehrere Kleidungsschichten
Mütze
Handschuhe
Regenbekleidung
Stirnlampe
ausreichend Verpflegung und Getränke
Thermoskanne mit heißem Tee
Was ich über Kälte gelernt habe
Die Temperaturangabe des Schlafsacks ist nur ein Teil der Vorbereitung. Auch die Isomatte spielt eine wichtige Rolle, weil sie gegen den kalten Boden isoliert. Warme Kleidung sollte außerdem nicht erst ausgepackt werden, wenn man bereits friert.
Bei uns waren Mütze und Handschuhe Gold wert. Nachts merkt man schnell, dass Temperaturen, die beim Wandern völlig angenehm wären, beim längeren Sitzen oder Liegen deutlich kälter wirken.
Mein wichtigstes Learning aus dieser Nacht bleibt trotzdem ziemlich simpel:
Beim Schlafsack lieber weniger optimistisch planen als ich damals.

Biwakplatz wählen: Sicherheit und Rücksicht auf die Natur
Neben der rechtlichen Situation spielt auch der konkrete Platz eine wichtige Rolle.
Ein Biwakplatz sollte möglichst eben, trocken und windgeschützt sein. Gleichzeitig sollte man mögliche Gefahren im Gelände berücksichtigen und sensible Bereiche meiden.
Und natürlich gilt für mich: Alles, was ich auf den Berg mitnehme, nehme ich anschließend auch wieder mit hinunter. Kein Müll bleibt zurück.
Auch ein Lagerfeuer gehört für mich nicht zu einer solchen Übernachtung. Feuer in der freien Natur unterliegt zusätzlichen Vorschriften und kann insbesondere bei Trockenheit ein erhebliches Risiko darstellen. Die Idee eines Mikroabenteuers funktioniert für mich nur, wenn die Natur danach möglichst genauso aussieht wie vorher.
Biwakieren bedeutet auch, auf Komfort zu verzichten
Eine Nacht draußen klingt auf Bildern häufig ziemlich romantisch. Sonnenuntergang. Sterne. Bergpanorama. Sonnenaufgang. Zur Wahrheit gehören aber auch Käfer, Kälte, ein harter Untergrund und ein deutlich geringerer Schlafkomfort als zu Hause. Wer draußen übernachten möchte, sollte sich darauf einlassen können. Biwakieren ist eben kein Fünf-Sterne-Hotel. Das gehört für mich aber auch zum Erlebnis. Für ein paar Stunden sieht der Alltag plötzlich ziemlich weit entfernt aus.

Was ich bei meinem nächsten Biwak anders machen würde
Die wichtigste Änderung wäre eindeutig mein Schlafsack. Beim nächsten Mal würde ich einen Schlafsack wählen, dessen Temperaturbereich deutlich besser zur erwarteten Nachttemperatur passt. Außerdem würde ich Wetter, Wind und mögliche Gewitter noch konsequenter prüfen.
Unser erster Versuch hat mir ziemlich deutlich gezeigt, dass man eine ungünstige Wetterprognose nicht ignorieren sollte, nur weil der Termin gerade gut in den Kalender passt.
Gleichzeitig würde ich wieder versuchen, daraus kein riesiges Projekt zu machen. Darin lag für mich schließlich der Reiz: am Abend aus dem normalen Alltag auszusteigen, eine Nacht draußen zu verbringen und am nächsten Morgen wieder zurückzukehren.

Mein Fazit nach der ersten Nacht unter freiem Himmel
Die Nacht war kalt. Mein Schlafsack war zu dünn. Unser erster Versuch war wegen eines Gewitters komplett gescheitert. Und trotzdem hat sich das Erlebnis gelohnt. Ich denke noch heute an diese Nacht zurück.
Ich mag Mikroabenteuer. Man muss dafür nicht zwingend ans andere Ende der Welt reisen. Manchmal beginnt das Abenteuer schon ein paar Stunden nach Feierabend auf einem Berg vor der eigenen Haustür. Den Blick in die Sterne würde ich jederzeit wieder nehmen.
Danke an Eddie Bauer und das Outdoor Blogger Network für die damalige Inspiration zu diesem Abenteuer.
Hinweis: Die rechtlichen Regelungen zum Biwakieren können sich ändern und unterscheiden sich je nach Region. Informiere dich deshalb vor einer geplanten Übernachtung bei den zuständigen Behörden beziehungsweise Grundstücksberechtigten über die aktuell geltenden Bestimmungen.


Wenn du noch mehr zum Thema biwakieren nachlesen möchtest, empfehle ich den Blogbeitrag von Bergzeit: Biwakieren - das sollte man beachten.

Fotocredit: Stefan Schaaf (PEAK ART IMAGES)






Originalkommentar: 28. November 2020 um 15:56 Uhr
Auf welchem Berg warst du?
Originalkommentar: 13. Oktober 2020 um 12:15 Uhr
Hey Cindy,
toller Erlebnisbericht! Einen zu optimistischen Schlafsack zu wählen ist wohl jedem schon mal passiert… vor dem Aufstieg ist es einfach zu oft trügerisch warm^^ Ich bin ja ein großer Fan des Biwaksacks, da ist es direkt nicht so zugig.
Schöne Grüße Peter
Originalkommentar: 14. August 2020 um 17:55 Uhr
Hi Cindy,
die Bilder sehen wunderschön aus und Euer Biwakplatz auch. Wo war das denn? LG Beryl
Originalkommentar: 7. Mai 2020 um 15:48 Uhr
Sehr guter Artikel! Übernachten am Berg ist immer ein besonderes Erlebnis….Einen wichtigen Tipp hätte ich noch: Viele Berge werde ja im Sommer als Almgelände genutzt. Beweidete Gipfel sind aber wirklich nicht zu empfehlen. Kühe sind auch sehr neugierige Tiere und kommen meist auch gleich angerannt, weil sie wissen wollen, was da los ist. Das ist eher heikel…. Also, nur auf Berge, die man kennt und wo man diese Art von Begegnung ausschließen kann!
Originalkommentar: 9. August 2019 um 9:48 Uhr
Auf welchem Berg habt ihr denn in der Nähe von München biwakiert?