Last Soul Ultra? Meine Challenge hieß Olympiaberg.
- Cindy Haase

- vor 3 Stunden
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Die letzten Wochen habe ich viel mehr Zeit in Livestreams verbracht als auf den eigenen Beinen. Zum Beispiel das Rennformat Last Soul Ultra, über 630 Kilometer, 94 Stunden, bis am Ende nur noch einer übrig war. Ich habe die Updates verfolgt wie andere eine Serie, tagelang, mit echter Begeisterung. Am Montag, während das Rennen noch lief, sind wir in unsere eigene, viel kleinere Challenge gestartet. Fünf Tage, jeden Morgen um halb sieben, zehnmal den Olympiaberg hoch.

Auf dem Papier klingt das nicht annähernd nach einer Geschichte. Kein Weltrekord, kein Last-Man-Standing, kein Drama. Trotzdem war diese fünfte Ausgabe für mich anstrengender als die Jahre davor. Nicht dramatisch, nicht außergewöhnlich, ich bin Challenges gewöhnt. Aber spürbar zäher als sonst.
Last Soul Ultra: Warum mich Extremformate so faszinieren
Ich will das vorwegnehmen, weil es sonst so klingt, als würde ich mich über den Hype um Formate wie Last Soul Ultra stellen. Das Gegenteil ist der Fall. Ich finde diese Rennen richtig gut. Last Soul Ultra ist ein Backyard-Ultra-Format, eine Runde von 6,7 Kilometern pro Stunde, bis nur noch eine Person übrig bleibt, die die letzte Runde alleine schaffen muss. In diesem Jahr hat Mark Dowdle gewonnen, mit über 630 Kilometern und 94 Stunden ohne Schlaf.

Und dann gibt es noch weitere Formate, wie 99Laps, ein Eliminationsrennen, bei dem alle 15 Minuten die Person rausfliegt, die zuletzt ins Ziel kommt. Auch das habe ich mir angeschaut. Mich fasziniert die Taktik dahinter, vor allem der Punkt, an dem Kopf und Körper anfangen, sich zu widersprechen. Ich mag diese Extrem-Wettkämpfe, weil sie zeigen, wozu Menschen fähig sind, wenn man ihnen die Grenzen wegnimmt. Das ist großes Kino.
Trotzdem stellt sich mir dabei eine Frage, jedes Mal wieder: Reicht das, was ich mache, überhaupt noch, um stolz drauf zu sein?

Die Olympiaberg Challenge: Mein Ritual seit fünf Jahren
Dieses Jahr habe ich die Olympiaberg Challenge zum fünften Mal veranstaltet. Das Event ist bewusst simpel gehalten: Montag bis Freitag, jeden Morgen zehn Runden Olympiaberg, das sind etwa sieben Kilometer und rund 440 Höhenmeter, ungefähr eine Stunde, jede und jeder in seinem eigenen Tempo. Keine Anmeldung nötig, keine Startgebühr, du kommst einfach vorbei, wenn du magst.
Dieses Jahr waren wir mit STOX Energy Socks als Unterstützer dabei und insgesamt haben fünfzig Leute mitgemacht. Manche waren jeden Morgen da, andere nur an ein oder zwei Tagen, und beides war völlig in Ordnung.

Das ist auch der Punkt der Challenge. Es geht nicht darum, wer am krassesten durchhält. Es geht darum, dass du dich überhaupt hinstellst.

Warum sich die Olympiaberg Challenge dieses Jahr anders angefühlt hat
Ich bin Herausforderungen gewöhnt, das hier hat mich nicht überfordert. Trotzdem war diese Ausgabe im Vergleich zu den vier Jahren davor einfach anders für mich, ohne dass ich dir einen klaren Grund nennen könnte. Meine Beine waren schwerer als sonst, mein Kopf weniger dabei. Die Gedanken sind öfter abgeschweift, weil im Alltag gerade anderes mehr Raum einnimmt als Sport.
Trotzdem bin ich jeden Morgen um halb sechs aufgestanden, um dann pünktlich um halb sieben zehnmal den Berg hochzulaufen, Und ich habe versucht, andere dabei mitzuziehen. Nicht, weil ich mich beweisen musste, sondern weil ich weiß, dass man am Ende froh ist, es gemacht zu haben. Nur der Weg dahin hat sich dieses Jahr einfach fordernder angefühlt als sonst.

Last Soul Ultra und Olympiaberg Challenge: Warum jede eigene Challenge zählt
Last Soul Ultra und unsere Olympiaberg Challenge lassen sich überhaupt nicht auf derselben Skala messen und das müssen sie auch nicht. Bewunderung für eine fremde Leistung und Stolz auf die eigene sind zwei komplett unterschiedliche Dinge. Das eine schaue ich mir an und denke, Wahnsinn, was für ein Kopf. Das andere ist meine eigene, kleine, wiederkehrende Auseinandersetzung mit mir selbst. Jedes Jahr aufs Neue, mal leichter, mal, wie in diesem Jahr, spürbar mühsamer.

Deshalb mache ich die Olympiaberg Challenge seit fünf Jahren, und deshalb will ich dich mit diesem Text eigentlich zu etwas ganz anderem bringen, nämlich zu deiner eigenen Challenge. Die muss nicht mal etwas mit Laufen zu tun haben. Vielleicht sind es drei Bücher im Monat, die du dir schon lange vorgenommen hast, aber nie gelesen hast. Vielleicht ist es, endlich etwas komplett Neues zu lernen, das nichts mit Sport zu tun hat. Mich macht es selbst am meisten glücklich, wenn ich andere motivieren kann, sich sowas zuzutrauen. Und das motiviert mich im Umkehrschluss auch selbst wieder ein Stück mehr.
2027 wird die sechste Ausgabe der Olympiaberg-Challenge stattfinden und ich freue mich jetzt schon darauf, wieder Menschen, mich eingeschlossen, morgens den Berg hochzuscheuchen.

Und dich würde ich gerne etwas fragen: Welche Challenge hast du dir zuletzt selbst gestellt, die es nie in irgendeine Schlagzeile geschafft hätte, dir aber trotzdem etwas bedeutet hat?






Den Last Soul Ultra habe ich nur nebenbei mitbekommen. Krasse Leistung - klar, aber taugt für niemanden als Vorbild. Sowieso können die Allerwenigsten diese Leistung ansatzweise bringen. Das ist für mich so, wie wenn ich Formel 1 schaue und mir davon was fürs tägliche Verkehrsleben rausziehen möchte. Und sich aus dieser Motivation selbst bei einem Backyard an die Startlinie zu stellen frustriert dann schnell mal, wenn nach 50 (oder noch weniger) km nix mehr geht. Die beim LSU machen das mit Hilfe von Medikamenten. So what.
Aber normal geht ja leider nicht mehr. Dazu immer mehr Kommerzialisierung. Schau Dir nur mal an, wie sich die Startgebühren der Laufveranstaltungen entwickelt haben. City-Marathons liegen mittlerweile über 150 Euro - Berlin gar 205…